Webagentur wechseln: So nimmst du Domain, E-Mail und Website mit
Die Änderung, die du vor drei Wochen geschickt hast, ist immer noch nicht online. Die letzte Rechnung hatte vier Positionen à 30 Minuten für Dinge, die du selbst in fünf Minuten erledigt hättest. Und wenn du ehrlich bist, weißt du nicht genau, wer eigentlich die Passwörter zu deiner Website hat. Spätestens dann stellt sich die Frage, ob du die Webagentur wechseln solltest.
Die gute Nachricht: Ein Wechsel ist Routine, wenn du ihn in der richtigen Reihenfolge machst. Die schlechte: Wer zuerst kündigt und dann anfängt zu sammeln, verhandelt plötzlich mit jemandem, der keinen Grund mehr hat, schnell zu antworten. Diese Anleitung führt dich in sieben Schritten durch den Wechsel. Sie gilt genauso, wenn du einen Freelancer oder Webdesigner wechseln willst.
Das Wichtigste in Kürze
- Kündige nicht als Erstes. Sichere zuerst Zugänge und eine Kopie der Website.
- Prüfe, wer als Inhaber der Domain eingetragen ist. Nur der Inhaber kann sie sicher umziehen.
- Deine E-Mail hängt an der Domain. Die E-Mail-Einträge (MX) müssen beim Umzug mitkommen.
- Behalte die Adressen deiner Unterseiten oder leite sie weiter, dann bleibt dein Google-Ranking erhalten.
- Stell erst um, wenn die neue Seite fertig ist, und lass den alten Vertrag bis dahin laufen.
Woran du merkst, dass es Zeit ist
Nicht jede Unzufriedenheit ist ein Grund zu wechseln. Diese fünf Zeichen sind es meistens schon:
- Kleine Änderungen dauern Tage oder Wochen. Eine neue Telefonnummer sollte nicht auf einen Termin warten.
- Jede Minute steht auf der Rechnung. Wer im 15- oder 30-Minuten-Takt abrechnet, macht jede Kleinigkeit teuer. Wie sich das summiert, zeigt unser Website-Kosten-Rechner.
- Du erreichst niemanden. Der Mensch, der die Seite gebaut hat, arbeitet nicht mehr dort oder hat andere Prioritäten.
- Du weißt nicht, was dir gehört. Domain, Zugänge, Bildrechte: Wenn du keine dieser Fragen beantworten kannst, ist das schon ein Risiko, auch ohne Wechsel.
- Die Seite veraltet. Plugins ohne Updates, Texte vom letzten Jahr, und niemand schlägt etwas vor.
Schritt 1: Finde heraus, was dir gehört
Bevor du irgendjemandem Bescheid gibst, kläre die Besitzverhältnisse. Es geht um vier Dinge:
- Die Domain. Entscheidend ist, wer als Inhaber eingetragen ist, nicht wer die Rechnung bezahlt. Seit der DSGVO zeigt die öffentliche Whois-Abfrage den Inhaber einer .de-Domain nicht mehr an. Schau in die Rechnung des Domainanbieters oder frag die Agentur schriftlich: "Auf wen ist die Domain eingetragen?"
- Der Code und das Design. Was eine Agentur für dich baut, ist urheberrechtlich ihre Arbeit. Welche Rechte du daran hast, regelt dein Vertrag. Steht dort nichts, bekommst du im Zweifel nur die Rechte, die für den Zweck des Vertrags nötig sind (§ 31 Abs. 5 UrhG). Das kann bedeuten: Du darfst die Seite nutzen, aber nicht unbedingt den Quellcode mitnehmen.
- Die Inhalte. Texte, die du geliefert hast, gehören dir. Texte der Agentur regelt wieder der Vertrag.
- Bilder und Schriften. Stockfotos sind oft auf die Agentur lizenziert. Frag nach, auf wen die Lizenzen laufen, sonst darfst du die Bilder nach dem Wechsel womöglich nicht weiter nutzen.
Mehr zu diesen Fallen steht in Versteckte Kosten einer Website. Wir sind keine Rechtsberatung. Wenn es um viel geht oder die Agentur sich querstellt, lass deinen Vertrag von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen.
Schritt 2: Sammle alle Zugänge
Die meisten Wechsel hängen an einem vergessenen Passwort. Mach eine Liste und trag bei jedem Punkt ein, wer den Zugang heute hat: du, die Agentur oder beide.
| Zugang | Wofür du ihn brauchst |
|---|---|
| Domainanbieter (Registrar) | Domain umziehen, Auth-Code anfordern |
| DNS-Verwaltung | Website und E-Mail auf den neuen Anbieter zeigen lassen |
| Hosting oder Server | Kopie der Dateien und der Datenbank ziehen |
| Admin-Zugang zum CMS | Inhalte exportieren, Formulare und Plugins prüfen |
| E-Mail-Postfächer | Sicherstellen, dass Mails den Umzug überstehen |
| Google Search Console | Ranking beobachten, Sitemap neu einreichen |
| Google Analytics oder andere Statistik | Deine Besucherzahlen behalten |
| Google-Unternehmensprofil | Einträge in Google Maps selbst verwalten |
| Formular-, Newsletter- und Cookie-Tools | Kontakte und Einwilligungen mitnehmen |
Bei Google-Diensten reicht es, wenn die Agentur dich als Inhaber hinzufügt. Achte darauf, dass du die Rolle "Inhaber" bekommst und nicht nur "Nutzer", sonst kann dich die Agentur später wieder entfernen.
Schritt 3: Lies deinen Vertrag, bevor du kündigst
Drei Zahlen und eine Klausel entscheiden über deinen Zeitplan:
- Laufzeit: Wie lange bist du gebunden?
- Verlängerung: Um wie viele Monate verlängert sich der Vertrag, wenn du nicht kündigst?
- Kündigungsfrist: Wie viele Wochen vor Ablauf musst du kündigen?
- Herausgabe: Was bekommst du bei Vertragsende, in welchem Format, und kostet das extra?
Als Unternehmen hilft dir das Verbraucherrecht hier nicht. Die Regel, dass sich ein Vertrag nach der Mindestlaufzeit nur noch monatlich verlängern darf, gilt für Verbraucher. Für eine Firmenwebsite gilt, was im Vertrag steht. Notier dir die Frist und kündige rechtzeitig, aber lass den Vertrag bis zum Ende laufen. Deine alte Seite soll online bleiben, bis die neue fertig ist.
Schritt 4: Sichere eine vollständige Kopie
Solange du Zugang hast, zieh eine Kopie von allem. Was "alles" bedeutet, hängt davon ab, worauf deine Seite läuft:
- WordPress: Dateien und Datenbank. Ein Backup-Plugin oder das Hosting-Panel erledigt das in einem Schritt. Dazu die Medienbibliothek, falls sie außerhalb liegt.
- Ein eigenes System der Agentur: Hier bekommst du meist keinen Export, der woanders läuft. Sichere mindestens alle Texte, Bilder und die Liste aller Unterseiten.
- Ein Baukasten: Die meisten Baukästen exportieren nur Inhalte, nicht das Design. Wie ein Wechsel dort funktioniert, steht in Website-Baukasten kündigen und wechseln.
Egal, welches System: Speichere zusätzlich die Liste aller Adressen deiner Seite. Die findest du in der Sitemap,
meist unter deinedomain.de/sitemap.xml. Sie ist später die Grundlage für die Weiterleitungen.
Was kostet dich deine Agentur wirklich?
Vertrag, Stundensatz, Lizenzen: Der Rechner zählt zusammen, was im Jahr auf deinen Rechnungen steht, und zeigt es neben dem, was deine Website bei uns kosten würde.
Zum Kosten-Rechner ↗Schritt 5: Bau die neue Seite fertig, bevor du umstellst
Die neue Website entsteht parallel, unter einer Vorschau-Adresse. Deine alte Seite bleibt so lange online. Zwei Dinge gehören unbedingt dazu:
- Gleiche Adressen oder Weiterleitungen. Jede Unterseite, die Google kennt, braucht auf der neuen Seite entweder dieselbe Adresse oder eine dauerhafte Weiterleitung. Warum das eine 301 sein muss und keine 302, erklärt 301- vs. 302-Weiterleitung.
- Alles, was Kunden benutzen. Kontaktformular, Terminbuchung, Downloads, Impressum und Datenschutzerklärung. Prüfe, wohin das Formular seine Anfragen schickt.
Ob die neue Seite neu gebaut oder die alte übernommen wird, ist eine Kostenfrage. Ein Neubau kostet schnell so viel wie ein Relaunch, die Zahlen stehen in Was kostet ein Website-Relaunch. Eine Übernahme der bestehenden Seite ist deutlich günstiger und schont das Ranking.
Schritt 6: Domain und E-Mail umziehen, ohne dass Mails verloren gehen
Hier passieren die meisten Pannen, deshalb Schritt für Schritt:
- Notiere die aktuellen DNS-Einträge. Mach einen Screenshot der kompletten Liste, vor allem der MX-Einträge. Sie bestimmen, wohin deine E-Mails gehen.
- Fordere den Auth-Code an. Für einen Umzug der Domain zu einem anderen Anbieter brauchst du einen Code, den der bisherige Anbieter erzeugt. Bei .de-Domains heißt er AuthInfo und gilt 30 Tage.
- Zieh die E-Mail-Einträge mit um. Liegen deine Postfächer bei einem eigenen Anbieter (etwa Microsoft 365 oder Google Workspace), müssen die MX-Einträge beim neuen DNS-Anbieter genau so wieder eingetragen werden. Liegen die Postfächer bei der Agentur, zieh sie vorher zu einem Anbieter, der dir gehört.
- Stell die Website um. Erst jetzt zeigt die Domain auf die neue Seite. Es reicht, die Einträge für die Website zu ändern. Die E-Mail-Einträge fasst du dabei nicht an.
Die Details, inklusive der Frage, wie lange so eine Umstellung braucht, stehen in DNS umstellen ohne E-Mail-Ausfall.
Schritt 7: Nach dem Umzug
In den ersten zwei Wochen lohnt sich ein genauer Blick:
- Schick dir selbst eine Mail und eine Anfrage über das Kontaktformular.
- Reiche die neue Sitemap in der Google Search Console ein und beobachte die Seite "Seiten" auf neue Fehler.
- Ruf ein paar alte Adressen auf und prüfe, ob die Weiterleitungen greifen.
- Entferne die Agentur aus allen Zugängen, die du übernommen hast, und ändere die Passwörter.
- Erst wenn alles läuft: altes Hosting kündigen und die Kopie aus Schritt 4 aufbewahren.
Wenn die Agentur nicht mitspielt
Die meisten Agenturen helfen beim Wechsel, weil es zum guten Ton gehört. Wenn nicht, gibt es für jeden Punkt einen Weg:
- Schriftlich mit Frist. Bitte per E-Mail um Zugänge und Auth-Code, mit einem konkreten Datum. Eine Vorlage für dieses Schreiben steckt in der Checkliste oben.
- Die Domain, wenn du Inhaber bist. Reagiert der bisherige Anbieter nicht, kann dein neuer Anbieter den Code direkt bei der DENIC anfordern. Die DENIC schickt ihn dann per Einschreiben an die Adresse, die in den Domaindaten steht (so beschreibt es die DENIC). Deshalb muss dort deine aktuelle Adresse stehen.
- Die Inhalte. Alles, was öffentlich auf deiner Seite steht, lässt sich auch ohne Zugang übernehmen: Texte, Bilder, Seitenstruktur. Eine neue Seite kann so entstehen, ohne dass die Agentur etwas herausgibt.
- Wenn die Domain nicht auf dich läuft. Dann brauchst du die Mitwirkung der Agentur für einen Inhaberwechsel. Das ist der Moment für eine Anwältin oder einen Anwalt.
Wie lange dauert ein Agenturwechsel?
| Phase | Dauer |
|---|---|
| Besitz klären, Zugänge sammeln, Vertrag lesen | Wenige Tage bis zwei Wochen, je nach Agentur |
| Kopie sichern | Ein Tag |
| Neue Seite bauen oder übernehmen | Wenige Tage bis mehrere Wochen |
| Domain und Website umstellen | Ein Tag, bis alles überall ankommt |
| Beobachten und alte Verträge beenden | Zwei Wochen |
Die längste Phase ist fast immer das Warten auf Antworten. Deshalb lohnt es sich, Schritt 1 und 2 zu erledigen, lange bevor du dich entschieden hast. Es schadet nie zu wissen, was dir gehört.
Häufige Fragen
Wem gehört meine Website, wenn eine Agentur sie gebaut hat?
Wie bekomme ich meine Domain von der Agentur zurück?
Verliere ich beim Wechsel meine E-Mails?
Verliere ich mein Google-Ranking, wenn ich die Agentur wechsle?
Was kostet ein Agenturwechsel?
Das Fazit
Eine Webagentur zu wechseln ist kein Sprung ins Ungewisse, sondern eine Liste. Wer die Reihenfolge einhält, erst sichern, dann bauen, dann umstellen, zuletzt kündigen, verliert weder Mails noch Rankings. Und wer die Besitzfrage klärt, bevor es Streit gibt, muss meistens gar nicht streiten.
Wenn du wissen willst, wie deine neue Seite aussehen könnte, bevor du irgendetwas kündigst: Wir bauen deine Startseite kostenlos neu, übernehmen danach den Rest, und der Code liegt in deinem eigenen Repository. Wenn du irgendwann gehst, nimmst du alles mit. Warum das so ist, steht in Kein Lock-in: Deine Seite gehört dir.